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Donnerstag, 05.03.2026

Wenn Eltern schwer mitreden können

Portrait einer Frau ©Uni Graz/Tzivanopoulos

Marie Tschurtschenthaler nimmt in ihrer Dissertation die Kommunikation zwischen Schule und Eltern, die nicht Deutsch als Erstsprache haben, genauer unter die Lupe.

In ihrer Dissertation untersucht die Translationswissenschaftlerin Marie Tschurtschenthaler, wie die Kommunikation zwischen Pflichtschulen und Eltern funktioniert, deren Erstsprache nicht Deutsch ist – und welche Rolle professionelle Sprachmittlung dabei spielt. Erste Einblicke zeigen: Es geht nicht nur um Sprache, sondern auch um Ressourcen, Zuständigkeiten und den institutionellen Rahmen.

Elternabende, kurze Gespräche beim Bringen oder Abholen, Infos zu Ausflügen, Krankmeldungen oder Termine: Der Schulalltag lebt von Kommunikation. Doch was passiert, wenn Eltern nicht ausreichend Deutsch sprechen – oder Informationen zwar übersetzt werden könnten, aber andere Hürden hinzukommen? Genau damit beschäftigt sich Marie Tschurtschenthaler in ihrer Dissertation am Institut für Translationswissenschaft der Uni Graz. Im Fokus steht die Kommunikation zwischen österreichischen Pflichtschulen und Eltern, deren Erstsprache nicht Deutsch ist – und die Bedeutung von Dolmetschen und Übersetzen in diesem Zusammenhang. Gleichzeitig beleuchtet die Arbeit, wie sich die Schule als Institution auf die elterliche Teilhabe auswirkt.

22 Sprachen an einem Standort

Untersucht wird die Situation anhand von zwei Grazer Volksschulen. Dort sind laut Tschurtschenthaler bis zu rund 22 unterschiedliche Sprachen vertreten. „Diese Vielfalt trifft auf ein Schulsystem, das rechtlich klar auf Deutsch als Unterrichts- und institutionelle Standardsprache ausgerichtet ist“, erklärt sie. In der Praxis zeigt sich das besonders in Situationen, die eigentlich „nebenbei“ passieren: Ein Arzttermin am nächsten Tag, ein Kind wird in der Schule krank, eine Information zum Ausflug kommt schriftlich, oder ein Elterngespräch wird notwendig. Wenn dann keine ausreichende Sprachmittlung zur Verfügung steht, können zentrale Informationen verloren gehen – mit Folgen für Eltern, Kind und Schulpersonal. „Wenn das sprachlich auf der Eltern-Lehrer:innen-Ebene nicht möglich ist, dann wird in vielen Fällen auf das Kind selbst als Dolmetscher:in zurückgegriffen“, erklärt Tschurtschenthaler. 

Digitale Tools helfen – aber nicht immer

Viele setzen mittlerweile auf digitale Kommunikationswege. In den untersuchten Volksschulen wird etwa eine App genutzt mit Übersetzungsfunktion in zahlreiche Sprachen. Das kann vieles erleichtern – stößt aber auch an Grenzen: automatische Übersetzungen funktionieren je nach Sprache unterschiedlich gut, und nicht alle Eltern können digitale Angebote gleich nutzen. „Da fehlt teilweise Basiswissen, wie die richtigen Endgeräte, eingeschränkte digitale Kompetenzen oder gar Alphabetisierung“, führt die Südtirolerin aus.

Wenn Kinder übersetzen 

Wenn professionelle Lösungen fehlen, wird in der Realität häufig auf Kinder, ältere Geschwister oder mehrsprachige Personen aus dem Schulumfeld zurückgegriffen. Das ist nicht nur eine Frage der Belastung der Betroffenen, sondern auch der Angemessenheit – gerade bei heiklen Themen. Schulen versuchen zwar, pragmatische Wege zu finden, „der Aufwand ist aber oft sehr hoch und Personen werden aus ihrer eigentlichen Tätigkeit herausgerissen“.

Videodolmetschen

Eine zentrale Ressource ist das Videodolmetschen, das im schulischen Kontext seit 2021 als offizielle Unterstützung eingesetzt wird. Dolmetscher:innen können – je nach Sprache – über eine Plattform von den Schulen angefordert und teils kurzfristig zugeschaltet werden. Das schafft Möglichkeiten, gerade bei wichtigen Gesprächen. Gleichzeitig sei das digitale Setting in sensiblen Fällen nicht immer ideal und Vertrauen manchmal schwerer aufzubauen, so die Dissertantin. 

Tschurtschenthaler verbindet in ihrer Forschung die Perspektiven aus Lehramt und Translationswissenschaft. Methodisch beobachtete sie gezielt Elternabende im Herbst 2024 und führte über die Schuljahre 2024/25-2025/26 hinweg Interviews mit Schulleitungen, Lehrpersonen, Integrationslehrkräften, Schulsozialarbeit, Verwaltungspersonal sowie Eltern. Insgesamt sprach sie in ihrer Erhebung mit rund 25 Personen; weitere Elterngespräche sind geplant, um Perspektiven noch stärker zusammenzuführen.

Ihr Ziel sei es, „Sichtbarkeit für ein Thema schaffen, das viele Schulen längst betrifft“. „Ich möchte aufzeigen, wo die Diskrepanz zwischen Anspruch und gelebter Realität liegt“, erklärt die Nachwuchswissenschaftlerin. Aus den Ergebnissen möchte sie auch Orientierungen für gelingende Kommunikation ableiten – immer mit dem Hinweis, dass gute Lösungen Ressourcen brauchen: Zeit, Personal, Schulung und Zugang zu professioneller Sprachmittlung.

Konstantin Tzivanopoulos

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